Das Mortuarium im Eichstätter Dom gilt als eine der bedeutendsten architektonischen Leistungen der Spätgotik in Deutschland. Der zweischiffige Hallenraum, der um 1500 an der Westseite des Kreuzgangs vollendet wurde, diente über Jahrhunderte hinweg als exklusive Grablege für das adelige Domkapitel.
Architektonisch besticht das Mortuarium durch sein komplexes Rippengewölbe, das von einer zentralen Säulenreihe getragen wird. Ein weltberühmtes Detail ist die sogenannte „Schöne Säule“: Ein Meisterwerk der Steinmetzkunst, das als naturgetreues, knorriges Astwerk gestaltet ist und dessen Rippen wie Zweige in das Gewölbe hineinwachsen. Diese virtuose Darstellung symbolisiert den „Lebensbaum“ und zeugt vom hohen technischen Können der damaligen Baumeister.
Ein weiterer kunsthistorischer Höhepunkt sind die großen Maßwerkfenster. Fünf dieser Fenster enthalten originale Glasmalereien aus dem Jahr 1502, die nach Entwürfen von Hans Holbein dem Älteren gefertigt wurden. Besonders das „Weltgerichtsfenster“ beeindruckt durch seine Detailtiefe und Farbgewalt. Ergänzt wird die spirituelle Atmosphäre durch hunderte von Wappenschilden an den Wänden und Decken, die die genealogische Geschichte des Eichstätter Adels lückenlos dokumentieren.
